Seht her, seht her. Hört hin hört hin: Sie ist da. Da kann man schon mal erleichtert “Endlich” rufen und verzückt mit den Hufen scharren. Quadruple-D, wie wir den dreckigen Detroit-Degen aus Dresden hier nur noch nennen, kann seinen Frieden mit Running Back machen.
Die Mär, dass zweieinhalb Jahre seit dem ersten Kontakt von Labelboss Gerd Janson mit dem Titelstück ins Land gegangen sind, mag durchgekaut sein. Auf den Kranz ging die lange Wartezeit natürlich trotzdem – und nicht nur dem Künstler. Da mutet es fast schon zynisch an, dass das Cover so fix hingekritzelt wirkt. Führt man aber den Songtitel ins Feld, wird man mit der knuddeligen Zeichnung schon eher warm (man mutmaßt ja Spektakuläres über deren Urheberschaft). Wenn man dann noch um die Übersetzung der lateinischen Schnitzerei auf der Platte weiß, geht einem endgültig das Herz auf: “Die Sonne scheint für jeden.” Übrigens lohnt auch ein Blick auf die Cover-Rückseite, auf der sich Jacob als sensibler Kenner seiner Wurzeln und Förderer ausweist.
Aber nun endlich zur Musik: “I Like The Sun (But Not on LEDs)” ist unbestritten ein kleines, großes Epos und eine würdige A-Seite. Der Track quillt fast über vor Sounds und Ideen, ist Hifi-House, so called Nu-Disco, später sogar sowas wie Clone-Electro. Es passiert irrsinnig viel, manchmal fast zuviel. Hitpotential entfaltet aber vor allem die präsente, herrlich verquietschte Melodie.
Deeper und für mich die schönste Nummer auf der Platte ist “Selene”, jenes auf- und abgleitende Stück, das von hektischen, aber bestimmenden Claps vorangetrieben wird. Eine düstere Erfahrung kann man das durchaus nennen, wenn irgendwann ein klagendes Vocal einsetzt und unten herum bedrohlich wirkende Synthies für wohlig-beklemmende Erregung sorgen. So muss sich Fallschirmspringen anfühlen.
Abschließend dann Prins Thomas’ Diskomiks für “I Like The Sun”, der erst mal schön krautig-scheppernd Schagzeug spielt, ähnlich wie auf dem letzten Album mit Kumpel Lindstrøm. Dann setzt die nun kosmisch klingende Lead auf einer Gitarre ein und nach fast zwei Minuten übernimmt Onkel Bass die Kontrolle. Ab jetzt ist Norwegen offen und man wird beherrscht von diesem angenehm unelektronischen, treibenden und rasselnden Prins Thomas-Sound, bei dem ich mir immer wünsche, er würde ihn irgendwann mal mit Liveband auf die Bühne bringen. Zum Ende gibt es dann noch ein tolles, perkussives Schlagzeug-Solo, wie gemalt für lustige Mixmastereien.
Auch wenn man Kumpanei unterstellen könnte: Diese Platte sollte man wirklich kaufen. Sie bietet ein bisschen was von allem, was im House heutzutage Spaß macht.


