Im Vorfeld der fränkischen Invasion am 17.7. zum Cosmic Johannes im Alten Wettbüro haben uns Iron Curtis, Johannes Albert und Jool freundlicherweise noch ein paar Fragen zu ihrer Person beantwortet.
Johannes, was hat dich denn aus Nürnberg bzw. Würzburg nach Berlin verschlagen?
Johannes Albert: Zunächst bin ich wegen einem festen Job umgezogen, ich habe in Würzburg studiert und arbeite nun in Berlin. Da mein Label (White) und viele Freunde von mir ebenfalls hier sind, bin ich mit einem lachenden Auge hergekommen und fühle mich pudelwohl. Man kann hier so wunderbar auf dem Gehsteig mit seinem Rad cruisen. Und es gibt Augustiner-Bier beim Spätkauf. Was will man mehr?
Iron Curtis: Ich bin im Sommer 2008 mit meinem Studium fertig geworden und habe mir gedacht, dass das eine ganz gute Gelegenheit wäre mal in die große Stadt zu ziehen – vorallem im Hinblick auf einen möglichen Job. Das mit dem Job hat leider noch nicht so wirklich geklappt, dafür dann aber mit Berlin selbst um so besser.
Warum bist du immer noch in Nürnberg, Jürgen?
Jool: Ich war in Nürnberg bis vor kurzem noch berufstätig. Außerdem gabs auch in der Freizeit einiges Schönes zu tun. Zum Beispiel die Partyreihen, die ich mit Johannes P. und Martin H. organisiert habe / organisiere. Nürnberg ist schon ‘ne nette Stadt und ich hab gute Freunde hier. Außerdem kann ja nicht jeder nach Berlin gehen… naja mal schauen, was das Jahr noch bringt. Die Umstände haben sich etwas geändert.
Und wie habt ihr euch kennengelernt?
Johannes Albert: Puh, da war das Internet, ein paar geile House Trax und die fränkische Verbundenheit. Da war das nur eine Frage der Zeit… grins. Wir schätzen uns musikalisch und menschlich einfach sehr, dazu der gemeinsame Heimatfaktor, das funktioniert dann wie bei den Fliegen und dem Licht.
Iron Curtis: Jool (Jürgen Johannes) und ich kannten uns schon länger vom Sehen. Nürnberg ist zwar nicht soo klein, aber eben doch überschaubar, vorallem dann, wenn man ansatzweise auf den gleichen Kram steht – was Musik, Weggehen und den ganzen anderen Kulturzirkus angeht. Jool ist mir damals, so etwa um 2004/2005 rum, schon als heißer Discotänzer bei Lead-With-The-Bass (legendäre Nürnberger BrokenBeats/Nu-Jazz/D&B/House-Party) aufgefallen und hat – nicht nur mir – als DJ bei GoGitarreGo viele durchtanzte und durchschwitze Indie-Pop-Rock-Electronica-Wave-Mischmasch-Nächte beschehrt. Jool hat dann ja auch schon kurz darauf mit seinen “Elektronisch Rocken”-Partys angefangen und da gab es dann eben eine sogenannte “night to remember”, bei der ich mich dann mal getraut hatte ihn anzusprechen. Denn irgendwie hat es sich den ganzen Abend so angefühlt, als ob er aus Versehen meine Plattentasche zum Auflegen dabei gehabt hätte…. Und aus diesem tête à tête haben sich die letzten Jahre über dann viele wunderbare gemeinsame DJ-Abende und eine echte Freundschaft ergeben. Johannes Albert habe ich über das Myspace-Wirrwarr (so um 2008/2009) und über ein paar gemeinsame fränkische Buddies kennengelernt. Erst lange Zeit nur digital – dann dieses Jahr endlich auch mal persönlich! Ich fand Johannes’ Musik super und er hatte mich dann mal gefragt, ob ich nicht Lust hätte, einen Remix für ihn zu machen – so ging die Reise los. Und jetzt freue ich mich umso mehr, dass Johannes auch in Berlin gelandet ist – denn da blühen uns bestimmt noch einige famose Ausgehabende und Besuche im Hallenbad (Johannes und mich verbindet nämlich nicht nur eine große House- & Disco-Leidenschaft, sondern auch die Tendenz zur Sportskanone..ähm).
Wie ist es eine Partyreihe für Tanzmusik abseits des Mainstreams (Pumping Velvet in Nürnberg bzw. Voyage in Würzburg) zu schmeißen?
Jool: Generell gibt es in Nürnberg, gemessen an der Größe der Stadt, schon eine ganz gute Infrastruktur für alternative Veranstaltungen. Dies liegt an Veranstaltungsorten und Organisationen wie dem K4, dem Musikverein oder auch der Desi, die sich eher im unkommerziellen soziokulturellen Bereich bewegen. Besonders der Musikverein hat uns auch immer unterstützt und uns quasi mit unseren Parties unter seine Fittiche genommen. Mit unserer Vorgängerparty Elektronisch Rocken hatten wir uns in den letzten Jahren sehr gut etabliert. Nachdem wir diese Sache dann quasi am Höhepunkt aus eigenen Stücken beendet hatten, ist es jetzt mit Pumping Velvet nicht ganz so einfach. Viele elektronische Parties in Nürnberg widmen sich doch eher der musikalischen Abfahrt. Und uns liegt einfach am Herzen eine angenehme Veranstaltung zu machen, wo es eher um emotional berührende Musik geht. Für mich ist dann weniger Party-Alarm wichtig, sondern, dass man auch mal mit geschlossenen Augen und einem Lächeln im Gesicht tanzt. Es ist auf jeden Fall schön, festzustellen, dass man auch mit 100-150 Gästen einen ganz wunderbaren Abend haben kann. Und meistens machen die Nürnberger auch toll mit. Und mitmachen müssen sie auch einiges, weil es bei uns dann doch meistens stilistisch quer durch den Gemüsegarten geht von Slowmodisco bis Dubstep…
Iron Curtis: Geld, Zeit und Manpower sind knapp, dafür Enthusiasmus, Leidenschaft und Liebe riesengroß – und wenn man sich dann 3 Jahre später immer noch Geschichten von der ein oder anderen Sause erzählt und schmunzelnd seine graphische Höchstleistungen beim damaligen Plakat lobpreist, dann ist das ja wohl tausendmal besser als jede Smirnov-Werbung auf dem Flyer.
Johannes Albert: Nunja, es ist nicht einfach, sagen wir mal so. Es fehlt ganz klar ein Club oder ein Ort, an dem man seine Vision verfolgen kann. In Würzburg regiert Kommerz in jeglicher Form, es gibt zwar einige Läden/Clubs, die auch gut besucht sind… Hier geht es aber vorrangig um Studenten, die sich günstig betrinken wollen und auf der anderen Seite um Pseudo-Schickis, die einen auf dicke Hose machen aber dann mit dem Fiat Uno um die Ecke parken. Die Clubs, in die sie gehen stehen dann für (wie überall anders auch) Electro und Co. Dazu gibt es in der Stadt eine Art Diskotheken-Guru seit langer Zeit. Dieser Kerl hat die besten Beziehungen (nicht nur) ins Rathaus und das meiste Geld. Somit besitzt er einige Läden der Stadt und sorgt dafür, dass neue, frische Projekte bereits im Keim erstickt werden. So komisch das im erzkatholischen und spießigen Umfeld klingen mag, mich erinnert das an die Mafia
Aber ich will auch nicht nur meckern. Wir haben dann einen kleinen Keller unter einer Kneipe gefunden, in dem wir unregelmäßig unsere “Reise” (-> Voyage) gemacht haben. Wir hatten in 1,5 Jahren viel Spass, auch gerade mit wenigen Leuten, die sich aber doch für unsere Musik begeistern konnten. Leider mussten wir die Reihe pausieren, da der Macher der Kneipe massive Probleme mit Anwohnern hatte und keine Veranstaltungen mehr durchführen durfte. Wir finden das super-schade, aber vielleicht wird es bald wieder etwas in Würzburg mit Johannes-Beteiligung geben. Wir sind gerade beim Aufbauen einer neuen Reihe mit angeschlossenem Blog…. watch out
Auch in den kleineren Städten finden sich doch immer wieder Leute, die sich auch für gute Musik abseits breitgetretener Pfade interessieren. Es dauert nur etwas länger, bis der “Franggge” auf den Geschmack kommt! Dann aber richtig. Für uns war es immer wichtig, jede Menge Herzblut und (kitschig, aber wahr) Liebe in die Sache zu stecken. Tolle Flyer und Poster, die wir selber aufgehängt haben. Der Raum wurde auch immer wieder anders gestaltet und vieles mit Liebe zum Detail gestaltet. Einfach ein Abend von Freunden für Freunde, der Familiengedanke ist einfach essentiell. Zudem liebe ich meine Heimat!
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass ihr eine ähnliche Philosophie beim Auflegen verfolgt. Wie würdet ihr die beschreiben?
Iron Curtis: Vielleicht: Vielfallt ist queen, oder irgendwie sowas in der Art. Zumindest verbindet das Jool und mich, da wir beim Auflegen manchmal schon ziemlich weite Genre-Wege gehen. Denn von SlomoDisco geht’s rüber zu Chicago und Detroit und dann tief in den Dubstep- & Berghainkeller und wieder zurück.
Jool: Ich glaube, ich lege fast schon eher songorientiert auf… minimal-funktionale Sachen liegen mir nicht so. Außerdem stehe ich auf musikalische Abwechslung und Vielseitigkeit bei einer Party-Nacht. Mir macht es Spaß, unterschiedliche Stile und Epochen miteinander zu kombinieren. Am besten Fall sollte das dann trotz allem Hinundher auch noch schlüssig und flüssig sein. Ein Schuss Pop-Appeal darf auch noch dabei sein und auch mal der ein oder andere obskure Ausreißer. Am Besten sollte das Ganze dann auch noch handwerklich ansprechend präsentiert werden. Und auch wenn das nicht immer geht, bin ich doch dafür, die Leute auch mal musiklaisch zu fordern.
Johannes Albert: Na ganz klar der Shizzle-Whizzle-Disco-Style! Die bekannten Zutaten House, Disco, etwas Techno und ab gehts. Am wichtigen sind doch Abwechslung und ein Auge für den Tanzflur. Sicher mag ich Deephouse total gerne, aber mir wird bei 3-Stunden-nur-ein-Style-Sets sehr schnell langweilig, deshalb mag ich es gerne abwechslungsreich. Warum nichtmal ein Fürstenfeld-Disco-Stück von 1976 zwischenrein spielen? Das Ganze natürlich ohne die Crowd aus den Augen zu verlieren!
Was sollte man sich von euch unbedingt angehört haben? Warum?
Iron Curtis: Oh weh. Vielleicht meinen Remix für Johannes Albert (um zu verstehen, wie toll das war, dass er nicht den Kontakt zu mir abgebrochen hat, da ich den Remix noch mit ein paar selbst eingesungen Schmacht-Vocals verfeinert hatte). Und vielleicht noch die Hymne auf meine alte Nürnberger Hood (“Großreuth 1″ auf der “Way back home EP” für Mule Electronic). Denn das Stück wäre niemals entstanden, wenn da nicht Jool seine Inner-City-Chord-Finger im Spiel gehabt. Und den Reels-Podcast, den wir hier im Moroders-Headquarter ganz toll finden (Anm. d. Red
)
100218 Iron Curtis Reels Podcast 03 by Iron Curtis
Jool: JJ Cale / Right Down Here (Piafra Edit)
Ich finde das Original einfach schon unwiderstehlich so wie eigentlich fast alles von JJ Cale. Unglaublich laid back. Schöne Vorstellung einfach, dass die Leute vielleicht auch mal beim Ausgehen ein Lied von diesem tollen Künstler hören… Also mal auf soundcloud reinhören und von JJ anstecken lassen!
JJ Cale / Right Down Here (Piafra Edit) by Edit Piafra
Johannes Albert: Puh, ich würde sagen “People Say” auf WHITE. Einfach House, wie ich es mag. Ein kickender Beat, ein krummes Piano mit Wiedererkennungseffekt und eine Stimme, die eine Aussage-Nicht-Aussage singt. Das spiegelt für mich auch meine bereits 12-jährige DJ-Tätigkeit in einem Track wider. Anyway, “do it right, folks!”
Cosmic Johannes mit Iron Curtis, Johannes Albert und Jool am 17.07.2010 im Alten Wettbüro.





klasse Interview