
Vorhang auf für eine neue Rubrik hier in der Moroders-Kommandozentrale. Cosmic Designer stellt die Menschen in den Vordergrund, die sich um die gestalterische Seite der Clubkultur verdient machen und von denen man meist viel zu wenig weiß.
Den Anfang macht Mase, dessen Flyer jedem Dresdner Tänzer schon eimal begegnet sein dürften. Einen Eindruck vermittelt diese umfangreiche Datenbank mit Flyern aus den Jahren 1993-2010 von Daxel, Tool25 und eben auch Mase. Das Foto oben (2. v.li.) zeigt ihn zu einer Zeit, als er bereits die ersten Gestalter-Erfahrungen gesammelt hat, wie er im Interview offenbart. Dazu gibt es einige seiner jüngsten Flyer zu bestaunen und einen Mitschnitt seines DJ-Sets von 2006 in der leider verblichenen Schleife. Denn auch als abenteuerlicher DJ ist er ab und an unterwegs.
Hallo Mase, stell dich doch mal bitte kurz vor!
Guten Tag. Ich bin, denn ich bin, denn ich bin der Mase, der wohl 190 cm in der Länge und unendlich in der Breite ist. Mein Alter ist unbekannt.
Seit wann bist du gestalterisch tätig und wie bist du dazu gekommen?
Ich mache in Gestaltung seit 1986. Über Heimatkunde. Ich sollte meine Umwelt beschreiben, und Bilder dazu in ein Heft kleben. Dabei entdeckte ich meine Leidenschaft Bilder zusammenzuschießen und Information grafisch auszugestalten. Nachher war mein A5-Heft 8 cm dick. Schön mit Lokomotiven, Eichenblättern und Soldatenfotos bestückt. Dazu kam dann noch das komplette 1:1 Abmalen einer physischen Weltkarte. Danach wollte ich nur noch zeichnen. Die Welt in Bild und Schrift bannen. Geld verdiene ich damit seit 1997, als ich bei SUBdesign angefangen habe Flyer in Serie zu machen. Unter anderem für OBJECT, STR. E, BOUNDLESS, PENTAX, PARKHOTEL VIVITO EVENTS, PRO U.F.O. (Doorkeeper & Beatschmied), GUNJAH, TINY, SPUNKY, BRONKO TEDDY, BASE INDUSTRIES, BENET, DEJA VU und und und…
Du scheinst dich bei deinen Flyern gern auf die Ausprägungsphase elektronischer Tanzmusik zu beziehen. Warum? Oder trügt der Schein?
Du meinst die Anfänge? Ja das kann sein, damals hatten viele Dinge noch Stil und eine persönliche Note. Ich mag es wenn etwas handgemacht ist, dreckig und zerknautscht ist. Mit Fehlern und allem Drumi und Drani. Glatt sein kann jeder. Heutzutage brauchst du doch nur eine geile Bikinibraut mit Glanzlichtern und Schatten – schon flutscht das Veranstaltungsmarketing. Dieses Glattgebügel und Gleichgemache hasse ich wie die Pest.
Was beeinflusst/inspiriert dich bei deiner Arbeit? Was sind Motive, auf die du immer mal wieder zurückgreifst?
Alles und Nichts. Ich schaue aus dem Fenster ich schau’ ich mich hinein. Ich freue mich auch, wenn ich gemeinsam mit Partnern brainstormen kann und man sich dabei schön hochschaukelt – in nie bereiste Design-Dimensionen, naja in die richtung zumindest.
Was reizt dich generell am Medium Flyer?
Das knappe Format. Den Weg an die Flur-Pinnwand eines jeden, der ihn greift, zu schaffen…
Auf welche Flyer bist du besonders stolz und warum?
Oje, das ist schwer zu sagen, da ich bisher an die 600 Flyer produziert habe. Das Gesamtwerk macht mich schon ein wenig stolz…
Denkst du, Flyer erfüllen heute immer noch die gleiche Funktion wie in den Tagen vor der allgegenwärtigen Internet-Partypromo? Oder sind Flyer gar nur noch liebgewonnenes Relikt aus dieser Zeit, das man aus Nostalgiegründen nicht aufgeben mag?
Eigentlich kann man als Veranstalter nicht ohne Flyer antreten. Jedoch sind die Online-Geschichten auf dem Vormarsch, ohne Zweifel.
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Hier noch ein wenig akustisches Material, das mich auch inspiriert hat.
Diese Mischung entstand im März 2006 in der legendären Schleife. Gemeinsam mit Tiny und Traxx bestritt ich dort einen meiner ersten DJ-Gigs. Mit Traktor 2 und ohne Kopfhörer. Am Ende fand ich mich oben ohne mit Herzl auf der Brust…
Tschau, Tschüssi und Hallo. Euer Mase.

