The Moroders
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C, L und P Moroder wagen es und gehen raus in die Welt, um die Kunde von der Musik mit Groove und deren Verheißungen zu verbreiten. Unter den gönnerhaften Augen des verloren gegangenen Oberhauptes Onkel Giorgio leisten sie dabei der Familietradition Genüge, indem sie sich über ein Kunsthandwerk ausdrücken. Entsprechend ist L Moroder als Bildschnitzer hauptsächlich für die visuelle Komponente zuständig, während C und P die musikalischen Bedürfnisse des nach Ekstase heischenden Discopublikums bedienen. Weil die Tanzstuben dieser Welt aber kaum noch mit Grammofonen ausgestattet sind, mussten die Brüder allerdings schweren Herzens vom geliebten Schellack auf Vinyl umsteigen…
Begonnen aber hat alles in St. Ulrich in Gröden. Wie sollte es auch anders sein, ist das Südtiroler 4000 Seelen-Dorf doch der Stammsitz des Moroder-Geschlechts. Hier im Schatten der mächtigen Berge der Dolomiten, zwischen liebevoll gepflegten Fachwerkhäusern, sattgrünen Futterwiesen und dem angrenzenden Tannenforst haben die drei Jungs ihre Kindheit verbracht und schnell gemerkt, dass ihnen die ortsansässige Volksmusik zu wenig vom Leben erzählt. Auf den Dorffesten stets die Außenseiter begannen die drei Sonderlinge ihrerseits mit der Abgrenzung und gewandeten sich in den seltsamen Farben rosa, schwarz und weiß statt der üblichen Volkstracht.
Fürderhin entdeckten sie ihre Liebe für die Musik, zu der man auch alleine anmutig tanzen kann, also Disco, Italo und den neuartigen Housesound statt des unter Eigenbrötlern zwar beliebten, aber doch eher stumpfen Punk.
Mit der Villa Rosenheim ward dann endlich ein Platz gefunden, an dem sie sich ihrer Lieblingsmusik hingeben konnten. Eine riesige Discokugel am Toreingang, das Kabelwirrwarr am Heuboden und die Bilder von den sehnsüchtig betrachteten Tanzflächen an der Wand, der Paradise Garage, dem Warehouse oder dem Cosmic…diese Umgebung schien der perfekte Ort für die drei Halbwüchsigen. Das Zentrum der scheuneartigen Villa aber war der Tisch mit den ausrangierten Klangerzeugern, die Onkel Giorgio einmal bei einem Heimatbesuch mitgebracht hat, nebst der Kredenz, auf der ehrfurchtsvoll zwei Grammofone thronten. Ungeklärt bleiben die Umstände, woher die Moroders die Schellack-Platten mit den neuesten Discoliedern bezogen, in St. Ulrich wurden aber Gerüchte von Einbrüchen ins Bozener Walz-und Presswerk laut.
Doch als die liebevoll organisierte Disconacht im Dorflokal aufgrund chronisches Besucherschwunds scheiterte, waren die Konflikte im Kopf der Drei immer schwerer zu ignorieren. Klar, das Gewisse für das Ungewisse zu verlassen…davon haben sie alle hier schon einmal geträumt. Aber die wenigen, die weggegangen sind, tauchten nach Jahren wieder auf. Allerdings weniger fröhlich und vom Leben gezeichnet. Dergestalt unsicher über ihre Zukunft und hin und hergerissen zwischen der Einsamkeit in der Freiheit oder der Geborgenheit in Verborgenheit, waren es schließlich die gemeinsamen Ausflüge in die Discostädte München, Innsbruck, Mailand oder Bozen und das Eintauchen in deren Nachtleben, die zum Entschluss führten, die Liebe zur Musik mit Groove auch mit Menschen ohne Lederhosen oder Dirndl zu teilen.
Ihr Weg führte C und P Moroder schließlich nach Dresden, wo sie schnell eine monatliche Disco-Nacht namens COSMIC DANCER aufbauten und Schallplattenunterhalter aus allen Herren Ländern ins Sächsische lockten, so die Disco-Patrone Tim Sweeney, Kaos, Runaway, Todd Terje oder Danny Wang. Auch auf dem Gebiet der aufstrebenden House Musik sind sie inzwischen mit ihrer Clubnacht SWEATBOX umtriebig, während in ihrer Radiosendung COSMIC LISTENER vor allem den Dresdner Lokalhelden ein Forum gegeben wird. Wobei die Sendung durch Gäste wie Traxx, James T. Cotton oder Sankt Göran bisweilen auch den Glanz internationaler Discoprominenz verstrahlt. L Moroder hingegen verschlug es nach London, wo er das Kunsthandwerk des Schilderbemalers von der Pieke auf lernte und mit seinem einzigartigen Stil nicht nur die Reklamezettel und Aushänge der Festveranstaltungen seiner Brüder veredelte, sondern fernerhin auch für Unterhaltungsschriften und Bücher gestalterisch tätig ist.






